Theorie / Anatomie
Der folgende Text besteht aus zusammengefassten Aussschnitten des Arbeitsbuchs für den Diplomkurs Sportmassage der TRISANA Massagefachschule (www.trisana.ch). Detailliertere Ausführungen und Bilder sind im Arbeitsbuch nachzulesen.
1. Zelle
So wie jedes Lebewesen besteht auch der menschliche Organismus aus Zellen. Sie sind die kleinsten Bausteine unseres Körpers, die für sich allein noch lebensfähig sind. Sie leben, das bedeutet, dass sie einen Stoffwechsel haben. Sie empfangen und beantworten Signale und Reize; eventuell können sie wachsen, sich teilen und vermehren.
Bau der Zelle
Die Zelle besteht aus Zellkörper und Zellkern. Nur wenige Zellen haben keinen Kern, so z.B. die reifen roten Blutkörperchen. Unter dem Elektronenmikroskop kasnn man im Zellkörper eine Reihe hochspezialisierter Strukturen erkennen. In diesen Zellbestandteilen spielen sich wichtige Prozesse des Zellstoffwechsels ab. Der Zellkern ist das Steuerzentrum der Stoffwechselvorgänge.
Zelltypen
Aus einer befruchteten Eizelle im Mutterleib entstehen die verschiedenen Zelltypen des Organismus.
* Bindegewebszellen
* weisse Blutkörperchen
* Drüsenzellen
* Muskelzellen
* Nervenzellen
* Eizellen
* Samenzellen
2. Gewebe
2. Gewebe
Gewebe sind Verbände von Zellen ähnlicher Eigenschaften, die durch spezifische interzelluläre Strukturen ergänzt werden können.
Stützgewebe
Das Stützgewebe übt einerseits stützende, andererseits Stoffwechselfunktion aus. Stützgewebe unterteilt man wiederum in folgende Gewebearten:
* Bindegewebe (hält die Zellen der Organe und die Körperbauteile zusammen)
* Fettgewebe
* Knorpelgewebe
* Knochengewebe
Epithelgewebe
Das Epithelgewebe bildet einen geschlossenen Zellverband ohne geformte Interzellularsubstanz. Man unterscheidet Deck- oder Oberflächenepithelien zur Auskleidung äusserer und innerer Oberflächen, sowie Drüsenepithelien. Drüsenepithelien gehen während der Entwicklung aus Einsenkungen von Oberflächenepithelien hervor. Sie bilden zusammen mit einem Bindgewebsgerüst verschiedene Organe, die im Prinzip ausschliesslich auf die Produktion von Sekreten spezialisiert sind (Schweissdrüsen, Talgdrüsen, Speicheldrüsen, Tränendrüsen usw.), aber auch grössere Organe mit viel komplexerer Funktion, wie die Leber und die Nieren, gehören dazu.
Muskelgewebe
Das Muskelgewebe setzt sich aus Zellen zusammen, die darauf spezialisiert sind, sich in einer bevorzugten Richtung zu verkürzen (Kontraktion).
3. Organe
Verschiedenartige Gewebe vereinigen sich zu Funktionsgemeinschaften, den sogenannten Organen. Diese erfüllen spezifische Funktionen und sind meist räumlich in sich abgeschlossen, z.B. Leber, Herz, Niere.
Mehrere Organe können sich funktionsmässig zu einem Organsystem zusammenschliessen.
Wichtigste Organsysteme:
* Haut und Schleimhäute
* Bewegungsapparat
* Herz-Kreislaufsystem
* Blut und Abwehrsystem
* Atmungssystem
* Verdauungsapparat
* Harnorgane
* Geschlechtsorgane
* Hormonale Drüsen
* Nervensystem
* Sinnesorgane
Im folgenden werden nur vereinzelte Organe und Organsysteme beschrieben, für mehr Informationen ist die Literatur heranzuziehen
4. Muskulatur
Die Skelettmuskulatur stellt den aktiven Teil des Bewegungsapparates dar. Die Muskeln sind Strukturen, die durch ihre Aktivität in der Lage sind, eine Kraft zu erzeugen oder sich zu verkürzen (oder beides). Durch die Tätigkeit der Muskulatur kann der Organismus Arbeit verrichten.
Bau des Muskels
Der Muskel verjüngt sich in der Regel an den Enden und geht in Endsehnen über, die in den Knochen einstrahlen. Die rumpfnähere Befestigungsstelle pflegt man als Ursprung, die rumpfferne als Ansatz zu bezeichnen. Je nach Lage und Funtkion können Muskeln und Sehnen auch breitflächige Platten darstellen (Bauchmuskulatur, Zwerchfell).
Dr Muskel setzt sich aus einer Vielzahl feinster Muskelfasern zusammen. Er wird von einer Bindegewebshülle (Faszie) umhüllt. Mehrere Muskelfasern werden durch Bindegewebe zu Faserbündeln zusammengefasst (Fleischfaser).
Zwischen den einzelnen Muskelfasern verlaufen die Haargefässe (Kapillaren). Diese dienen der Versorgung des Muskels mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die einzelne Muskelfaser wird von einer Zellmembran umhüllt und besitzt eine grosse Anzahl von Zellkernen. Im Zellplasma liegen die Myofibrillen. Diese Myofibrillen bestehen aus dicken und dünnen Filamenten, die sich bei der Verkürzung ineinanderschieben.
Funktion des Muskels
Die Skelettmuskelfasern werden durch Nervenimpulse aus dem Rückenmark gereizt. Durch Zahl und Art dieser Impulse wird die Kontraktion der Muskelfaser gesteuert. Mechanische, chemische oder elektrische Reize können zur unkontrollierten Kontraktion eines Muskels führen. Jeder Muskel steht auch in Ruhe unter einer gewissen, vom Zentralnervensystem gesteuerten Grundspannung (Tonus).
Muskeln und Gelenke
Je nach Lage von Ursprung und Ansatz gibt es ein- oder mehrgelenkige Muskeln. Für die Beugung und Streckung in den Gelenken sind verschiendene Muskeln (bzw. Muskelgruppen) zuständig. Muskeln die zusammenarbeiten nennt man Synergisten, solche die entgegengesetzte Funktionen ausüben, Antagonisten.
Schleimbeutel und Sehnenscheiden
Sehen die über Knochen gleiten sind durch Schleimbeutel unterpolstert (Kniegelenk, Ellbogen).
Sehnenscheiden sind bindegewebige Führungsröhren der langen Sehnen gewisser Extremitätenmuskeln. Sie sind dort vorhanden, wo die Sehnen über längere Strecken ortsgebunden verlaufen müssen. Die Sehnenscheiden gewährleisten die richtige Führung, vermeiden Reibung und sorgen für die Ernährung der Sehnen.
Die Bezeichnungen der verschiedenen Muskeln sind in zwei Dokumenten aufgeführt, das von der Trisana Massagefachschule geschrieben wurde.
5. Herzkreislauf
Das Herz-Kreislaufsystem gewährleistet die Versorgung der Zellen des Organismus mir Sauerstoff und Nährstoffen und besorgt den Abtransport der Kohlensäure und der Schlackenstoffe.
Es besteht aus dem Herzen als Pumpe, den Arterien, Kapillaren und Venen als feinverzweigtes Röhrensystem und dem Blut als Transportmittel.
Herz
Das Herz ist ein mehrkammeriger Hohlmuskel, der durch sein Zusammenziehen (Kontraktion) das Blut aus den Herzkammern auswirft.
Herzschlag
Durch Kontraktion der Herzkammern (Systole) wird das Blut in die grossen Schlagadern (Aorta, Lungenarterien) ausgestossen. Während der Kammersystole erweitern sich die Vorhöfe und saugen dadurch Blit aus Lungen- bzw. Hohlvenen an. Bei der Erschlaffung der Herzkammern (Diastole) erweitern sie sich, weshalb nun Blut aus den Vorhöfen in die Kammern fliesst. Jeder Kontraktion des Herzens entspricht ein Herzschlag. Normalerweise zählt man 60-80 Herzschläge pro Minute (Puls).
Blutkreislauf
Man unterscheidet:
a) Körperkreislauf
Aus der linken Herzkammer wird das Blut in die Aorta, dann in die einzelnen Körperarterien getrieben. Von dort gelangt es über die Kapillaren in die Venen und fliesst zum rechten Vorhof zurück. Der Stoffaustausch zwischen Blut und Zellen findet auf der Ebene der Kapillaren statt.
b) Lungenkreislauf
Von der rechten Herzkammer wird das Blut durch die Lungenarterien zur Lunge gepumpt (venöses Blut), wo es die Kohlensäure abgibt, den Sauerstoff aufnimmt und darauf durch die Lungenvenen wieder zum Herzen zurück fliesst (arterielles Blut).
Blutgefässe
Man unterscheidet drei Gruppen von Blutgefässen:
a) Arterien (Schlagadern) leiten das Blut vom weg zu den Organen
b) Kapillaren (Haargefässe) Ort des Stoffaustausches, verbinden arterielle und venöse Gefässe miteinander.
c) Venen (Blutadern) führen das Blut aus den Organen zurück zum Herzen.
Lymphsystem
Neben de, Blutgefässsystem durchzieht das System der Lymphgefässe den ganzen Körper. Die Lymphgefässe enthalten eine dem Blutplasma ähnliche Flüssigkeit, die Lymphe. Im Gegensatz zum Blut ist die Lymphe frei von roten Blutzellen und weist einen wechselnden Gehalt an weissen Blutkörperchen auf.
Lymphgefässe
Der Stoffaustausch zwischen Kapillaren und Gewebe bedingt einen Flüssigkeitsstrom von den Kapillaren ins Gewebe und zurück, wobei ein Überfluss an Flüssigkeit über die Lymphkapillaren abfliesst.
Der Ursprung der Lymphe liegt demnach in den Gewebsspalten zwischen den einzelnen Zellen.
Die Lymphkapillaren vereinigen sich zu Lymphgefässen wachsender Grösse. Die Lymphgefässe sind dünnwandig und enthalten zahlreiche Klappen. Eine grössere Anzahl von Lymphgefässen mündet jeweils in einem Lymphknoten. Hier wird die Lymphe filtriert. Aus em Lymphknoten führt ein Lymphgefäss entweder zu einem weiteren übergeordneten Lymphknoten oder in einen grösseren Lymphgefäss-Stamm.
Die grösseren Lymphgefässe sammeln sich zu Lymphstämmen, die schliesslich die Lymphe in den Blutkreislauf (Venensystem) zurückführen. Die Mündungsstelle liegt im sogenannten Venenwinkel, zwischen V. jugularis und V. subclavia, wobei der Hauptlymphstamm auf der linken Seite mündet.
Lymphknoten
In den Lymphknoten kommt die Lymphe in engen Kontakt mit den Zellen der Abwehr. In den Körper eingedrungene spezifische Reizstoffe (Antigene) lösen eine Reihe von Abwehrmassnahmen aus, wovon die Produktion von Antikörpern die wichtigste darstellt. Bei Infektionen schwellen die Lymphknoten an, sind überwärmt und druckempfindlich.
6. Blut- und Abwehrsystem
Das Blut hat folgenden Aufgaben:
* Zufuhr von Sauerstoff und Nähstoffen zu den Zellen der Organe
* Abtransport von Kohlensäure und Abfallstoffen
* Transport von Hormonen und Abwehrstoffen
* Verteilung von Wasser und Salzen im Körper
* Wärmeregulation
Die Blutmenge beträgt 5-6 Liter, d.h 1/13-1/15 des Körpergewichts.
Blutverluste von 10% sind gut erträglich
von 30 % sind gefährlich
von 50 % sind tödlich
Das Hämoglobin (Blutfarbstoff) ist eine eisenhaltige chemische Verbindung, welche den Sauerstoff reversibel zu binden vermag. Es ist in den roten Blutkörperchen enthalten und verleiht dem Blut die rote Farbe.
Das Blut setzt sich folgendermassen zusammen (in % des Volumens)
45 % Blutzellen
* rote Blutkörperchen (Erythrozyten): Die roten Blutkörperchen werden im roten Knochenmark gebildet. Ihre Aufgabe ist der Sauerstofftransport.
* weisse (farblose) Blutkörperchen (Leukozyten): Die weissen Blutkörperchen werden im roten Knochenmark sowie in den lymphatischen Organen (Lymphknoten, Milz, Thymusdrüse) gebildet. Sie sind für die Immunabwehr sehr wichtig.
* Blutplättchen (Thrombozyten): Die Blutplättchen werden ebenfalls im roten Knochenmark gebildet. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung im Gefässsystem.
55% Blutflüssigkeit (Plasma): Bluteiweisse, Gerinnungsstoffe, gelöste Substanzen
7. Atmung
Die Atmung dient der Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft und der Abgabe von Kohlensäure aus dem Körper. Sie ist damit eine Grundlage für die Lebensfunktionen des menschlichen Körpers (Stoffwechsel der Zelle). Die Ausatmungsluft dient ferner der Stimmbildung. Bei der Atmung wird ca. 1/5 des eingeatmeten Sauerstoffs ausgewertet.
Lungen
Lage und Aufbau
Die Lungen füllen den Brustkorb aus. Sie sind paarig angelegt. Man spricht von einem rechten und einem linken Lungenflügel. Jeder Lungenflügel ist in einzelne Lappen gegliedert. Die Oberfläche der Lungen sowie die Innenseite des Brustkorbes und des Zwerchfells sind von einem dünnen Häutchen (Pleura) überzogen (Lungen- bzw Rippenfell). Zwischen den beiden Häutchen liegt ein kapillärer Spaltraum, der die Verschieblichkeit der Lungen gegenüber der Brustwand gestattet. Lungen- und Rippenfell zusammen werden als Brustfell bezeichnet.
Gasaustauschregion
Lungenbläschen (Alveolen) sind die Gasaustausch-Einheiten, in deren Wandung die Blutkapillaren dicht gelagert liegen. Die Luft-Blut-Schranke ist ausserordentlich dünn. (1/2 - 1/5 Mikrometer, d.h. ca. 50 mal dünner als Luftpostpapier) und besteht aus einem dünnen Eptihelzellen-Ausläufer, einer Verbindungsschicht (Basalmembran) und der Kapillarwand. In den Trennwänden zwischen den Lungenbläschen finden wir elastische und kollagene Faserzüge.
Atemmechanismus
Ein- und Ausatmung (bzw. Füllen und Entleeren der Lunge) geschehen durch die Tätigkeit der Atemmuskeln, die das Volumen des Brustraumes verändern. Zur Atemmuskulatur gehören das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskulatur.
Die Zwischenrippenmuskulatur besteht aus einer den Brustkorb erweiternden (inspiratorischen) und einer den Brustkorb verkleinernden (exspiratorischen) Muskelgruppe.
Beim Einatmen kontrahieren sich das Zwerchfell (es senkt sich dabei) und die inspiratorischen Zwischenrippenmuskeln. Beim Ausatmen erschlafft das Zwerchfell, und die exspiratorischen Zwischenrippenmuskeln kontrahieren sich. Die wichtigste Rolle beim Ausatmen spielt aber die Eigenretraktionskraft der Lunge (Elastizität und Oberflächenspannungskräfte).
Atemrhytmus 10-20 Atemzüge pro Minute (in Ruhe)
Atemvolumen Bei der normalen Atmung ist der Luftwechsel nicht vollständig, d.h. die Lungen werden weder ganz entleert noch ganz gefüllt. In Ruhe wird bei jedem Atemzug 0.5 Liter Luft ein- bzw. ausgeatmet.
Atemminutenvolumen 5-10 Liter / Minute